Arten von Wertpapieren – No. 3 Fonds und ETFs

Autorin: Kirsten Ulbrich
Lesezeit: ca. 12 Minuten

In den letzten beiden Beiträgen haben wir schon die Wertpapiere Anleihe und Aktie behandelt. In diesem Blogbeitrag stellen wir euch eine dritte Art von Wertpapieren vor: Fonds.  

Der erste Investmentfonds wurde bereits 1774 vom niederländischen Kaufmann Adriaan van Ketwich gegründet. Seine Idee war, eine Lösung zu finden, die ermöglichte, das Vermögen von den Anlegern vielfältig zu investieren und so das Risiko zu minimieren. So gründete er den ersten Fonds mit dem Namen „Eintracht macht stark“ und die Idee unseres heutigen Investmentfonds war geboren. 

Einen Fonds kann man sich als großen Topf vorstellen, in den die Anleger Geld einzahlen. Das Geld wird dann in Wertpapiere oder Immobilien investiert.  Zuerst einmal zu der Idee eines Fonds: Investmentfonds haben die Aufgabe, das Risiko einer Investition für den Anleger breiter zu streuen. Das heißt, wenn der Kurs einer Investition sinkt, dass dieser durch andere gut laufende Wertpapiere ausgeglichen werden kann. Die Anleger erteilen dem Fondsmanager des Investmentfonds den Auftrag, ihr Geld zu investieren. Genauer gesagt ist es die Aufgabe des Fondsmanagers, eine höhere Rendite als der Vergleichsindex (Benchmark) zu erzielen, indem er Investments an- und verkauft. 

Bei Fonds gilt es als Vorteil, dass sie flexibel sind und je nach Möglichkeit und Lebenslage unterschiedliche Beträge eingezahlt werden können. So eignen sie sich sowohl für größere Beträge als auch für kleinere, aber regelmäßige Sparbeträge. Gesellschaftspolitisch wird das Modell der Fonds als sehr gerecht angesehen, denn es ermöglicht breiten Bevölkerungsschichten, diversifiziert zu investieren. 

Die Fonds sind klassifiziert und der Anleger kann zwischen den verschiedenen Klassen auswählen – nur um einige Beispiele der Assetklassen zu nennen: Aktien, Schuldverschreibungen, Währungen, Immobilien, Rohstoffe… Allerdings gibt es hier auch Fonds, die in mehrere verschiedene Assetklassen investieren. Der deutsche Begriff des Fonds ist am besten mit Sondervermögen zu erklären.  

Wichtig zu wissen ist, dass dieses „Sondervermögen“ rechtlich von der Fondsgesellschaft getrennt ist. Das Sondervermögen wird nämlich von einer Depotbank treuhänderisch verwaltet und die Anlegergelder sind dadurch im Falle einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt. Die treuhänderische Vermögensverwaltung wird von der BaFin überwacht.   

  

Investmentfonds und aktives Management 

Nun haben wir den Begriff des Fonds geklärt. Bei Fonds gibt es eine weitere Unterteilung in die Art und Weise des Managements. Zuerst einmal der Investmentfonds: hier hat der Fondsmanager die Aufgabe, den Fonds aktiv zu managen. Das heißt er beobachtet kontinuierlich die Entwicklung des Marktes und versucht, den Markt zu schlagen. Das bedeutet, wenn er ein Unternehmen entdeckt, das sich eventuell positiv entwickeln könnte und zu der Strategie des Fonds passt, nimmt er Aktien des Unternehmens im Portfolio auf. Für das aktive Management werden Gebühren erhoben, von denen auch der Fondsmanager bezahlt wird. Die Höhe der Gebühren unterscheidet sich je nach Fondsmanager und Fonds. 

A) offener Investmentfonds 

Die Anteile eines offenen Investmentfonds werden über den Fonds selbst gehandelt. Wenn Anleger mehr investieren möchten, gibt der Fonds weitere Anteile heraus, das Volumen des Fonds wächst und das eingenommene Kapital kann angelegt werden. Ebenso kauft der Fonds Anteile auf, wenn ein Anleger diese abstoßen möchte – wodurch sich das Fondsvermögen verringert. Eine wichtige Kennzahl hierbei ist der sogenannte Net Asset Value (NAV), zu Deutsch Nettoinventarwert. Der NAV gibt das Vermögen des Fonds abzüglich aller Verbindlichkeiten desselben dividiert durch die Anzahl der Anteile an. Der NAV ist also nichts anderes als der Marktwert eines Fondsanteils. 

B) geschlossener Investmentfonds 

Die geschlossenen Investmentfonds werden hingegen gar nicht oder aber an der Börse gehandelt. Die Fondsgesellschaft sammelt zur Herausgabe des Fonds eine vorher definierte Summe bei den Anlegern ein. Hier ist es auch nicht zwingend das Ziel, das Risiko breit zu fächern, es kann teilweise auch nur in ein einziges Bauprojekt investiert werden. Bei geschlossenen Fonds gibt es eine vorher festgelegte Laufzeit von häufig 20 oder 30 Jahren. Der Anleger hat zwar die Möglichkeit, vorher aus dem geschlossenen Investmentfonds auszuscheiden, muss allerdings eventuell dafür eine “Ersatzzahlung” leisten oder versuchen, seinen Anteil an der Börse zu verkaufen, was häufig aufgrund der geringen Liquidität in diesem Markt nicht vorteilhaft ist. Geschlossene Investmentfonds haben jedoch den Vorteil, dass sie für den Anleger relativ transparent sind, denn dieser weiß ziemlich genau, wo sein Geld hinfließt.  

ETFs, Indexfonds und passives Investment  

Bei ETFs (Exchange Traded Funds) und Indexfonds spricht man von einem passiven Investment. Bei diesem Typ des Fonds handelt es sich um eine Repräsentation des Marktes, da ein solcher Fonds sich an einem vordefinierten Index orientiert. Das heißt, wenn es Schwankungen im Markt gibt, gibt es auch Schwankungen bei den ETFS oder Indexfonds – je nachdem an welchem Index sie sich orientieren. Index beschreibt die Kennziffer, die die täglichen Veränderungen des Marktes im Vergleich zu einem Basiswert wiedergibt. Das heißt also, wenn der Index (für Deutschland der DAX als bekanntestes Beispiel) fällt oder steigt, verändern sich die ETFs dementsprechend mit.  

Ein weiterer Vorteil ist die Liquidität von ETFs. Sie können täglich an der Börse gehandelt werden. Wirklich beliebte Fonds wechseln im Millisekundentakt ihren Besitzer. Hierbei ist jedoch der Aspekt der Liquiditätstransformation zu beachten. Zwar können ETFs jederzeit gehandelt werden, in vielen Fällen können sich Anleger jedoch nicht so schnell und zu schlechteren Preisen Liquidität verschaffen. Deshalb sollte beim häufigen Handel von ETFs darauf geachtet werden, dass die Spreads (die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis) nicht zu hoch ist. 

Es wird generell zwischen zwei Arten von ETFs unterschieden: physisch und synthetisch replizierende ETFs. Bei physischen ETFs werden die Wertpapiere, die im zugrundeliegenden Index enthalten sind, tatsächlich gemäß ihrer Gewichtung nachgekauft. Synthetische ETFs bilden einen Index nach, indem Derivate gehandelt werden, beispielsweise Swaps (Tauschgeschäfte). Dabei sichert zum Beispiel eine Investmentbank einem ETF-Anbieter die Wertentwicklung des jeweiligen Referenzindex zu. Im Gegenzug erhält die Investmentbank vom ETF-Anbieter die Zusicherung eines sogenannten “Collateral (Sicherheitskorb), zum Beispiel ein Aktienportfolio bestehend aus Blue Chip Werten, das nichts mit dem ETF-Referenzindex zu tun haben muss. Ebenfalls eignen sich synthetische ETFs bei Anlagen, die physisch nur schwer zu replizieren sind, wie zum Beispiel Öl, Immobilien oder Rohstoffe. 

Da ETFs nicht viel Management benötigen, sind die geringen Kosten ein klarer Vorteil dieser Indexfonds gegenüber aktiv gemanagten Fonds.  

Quellen: 

Gehwald & Naumann (2011). Investmentfonds – eine Branche positioniert sich. Wiesbaden: Gabler Verlag. 

Holzki, L. (2018). Offener oder geschlossener Fonds-was ist besser? https://www.sueddeutsche.de/geld/geldanlage-was-ist-der-unterschied-zwischen-offenen- und-geschlossenen-fonds-1.2035375, abgerufen am 20.04.2021. 

Just ETF: Was sind ETFs? ETF einfach erklärt, https://www.justetf.com/de/academy/was-sind- etfs.html, abgerufen am 19.04.2021.  

Prucker, F. (2016). Physische vs. Synthetische ETFs: Alles, was Sie wissen müssen. Scalable Capital. https://de.scalable.capital/boerse/synthetische-vs-physische-replikation-etfs, abgerufen am 20.04.2021. 

Schneck (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 9. Auflage, München 2015 www.finanzen.net/wirtschaftslexikon/aktienindex/9. 

Weltsparen: Was ist der Unterschied zwischen Fonds und ETFs?, https://www.weltsparen.de/geldanlage/etf/unterschied-fonds-etf/, abgerufen am 19.04.2021.  

 

 

 

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