Wie Pepsi eine Seemacht wurde

Autor: André Keller
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Alles begann auf der Amerikanischen Nationalausstellung am 24. Juli 1959 in Moskau. Richard Nixon und Nikita Chruschtschow debattierten vor laufenden Kameras über die Vor- und Nachteile des Kommunismus und Kapitalismus, später bekannt als „Kitchen Debate“ und Meilenstein in der Geschichte des Kalten Krieges. Chruschtschow bekam Durst. Donald M. Kendall, ein Marketing Vice President, nutzte die Gunst der Stunde und reichte dem Generalsekretär einen Pappbecher mit Brause. Der Inhalt – Pepsi. Damit begann der erfolgreiche Aufstieg Pepsis als eines der ersten amerikanischen Produkte, welches ab 1972 in der UdSSR produziert, vermarktet und vertrieben wurde. Aber dieser Erfolg stellt Pepsi vor größere Probleme, denn der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe – das sowjetische Marshall-Plan Pendant – legte den sowjetischen Rubel als reine kollektivistische Binnenwährung der sowjetischen Staaten fest. Dies sollte der sowjetischen Führung direkte Eingriffe in die Wirtschaft ermöglichen und Planungen vereinfachen. Der Nachteil: Dem sowjetischen Rubel fehlte jede Grundlage für Konvertibilität auf dem internationalen Währungsmarkt. Pepsi und die Sowjetführung einigten sich also auf einen russischen Klassiker. Pepsi lieferte sein Cola-Konzentrat und bekam im Austausch Stolichnaja Wodka – seinerzeit ein Qualitätsprodukt – zum exklusiven Vertrieb in den USA. Für Pepsi ein lohnendes Geschäft. Doch stagnierender Absatz des Wodkas ab dem Ende der 80er Jahre erforderte neue Verträge.

1989 war es dann so weit, eine andere Lösung musste her, denn die Nachfrage nach Stolichnaja Wodka in der USA nahm ab. Wie konnte die UdSSR also weiterhin eine Pepsi-Versorgung für die Bevölkerung sichern? Die Sowjets boten den USA Stahl an –  in Form von Kriegsmaterial. Pepsi erhielt im Austausch für sein Konzentrat zum Wodka zusätzlich 17 U-Boote, eine Fregatte, einen Zerstörer und einen Kreuzer. Zum Vergleich – die BRD führte 1985 24 U-Boote. Umgesetzt in Geldmittel wurde die eigentümliche Bezahlung durch eine schwedische Abwrackwerft. So wurde also ein Getränkekonzern zum Halter mit einer der größten Marineflotten.

Trotz zahlreicher Kritik an der Vorgehensweise Pepsis veranlasste Donald M. Kendall, mittlerweile CEO bei Pepsi, mit seinen Vertragspartnern den Bau weiterer Schiffe. Hierbei sollte es sich um Frachter und Öltransporter handeln. Plan war es, diese an Unternehmen zu verkaufen oder zu verleasen. Amerikanische Schiffsbauer sahen durch den Deal mit der Sowjetunion bereits die heimische Produktion bedroht – sollte der Pepsi-Deal der amerikanischen Wirtschaft sogar schaden? Dazu kam es allerdings nie.

Der Vertrag zwischen Pepsi und der UdSSR hatte einen Wert in Höhe von drei Milliarden Dollar aber fiel buchstäblich ins Wasser. Ein jähes und zähes Ende für die Goldgräberstimmung brachte dann der Zerfall der Sowjetunion 1991. Die für den Bau der Schiffe vorgesehene Werft lag nun in der Ukraine und dessen neue Regierung forderte Gewinnbeteiligungen, womit der Plan ins kalte Nass fiel.

 

Quellen:

Capital-Redaktion (2020). Wie Pepsi in den Besitz von 17 U-Booten kam. Capital. Abgerufen am 10.06.2021 von    https://www.capital.de/wirtschaft-politik/western-von-gestern-wie-pepsi-zur-sechstgroessten-seemacht-der-welt-wurde

Reich, S. (2020). Warum Pepsi plötzlich eine Kriegsflotte gehörte. Spiegel Geschichte. Abgerufen am 10.06.2021 von https://www.spiegel.de/geschichte/sowjetunion-deal-1989-wie-pepsi-cola-an-eine-kriegsflotte-kam-a-4e1c8e7e-0bb6-4edb-8e00-1f7b76379d69.

 

 

 

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