Arten von Wertpapieren – No.4 Zertifikate 

Autor: Josh Feldhaus
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Zunächst einmal vorweg: Zertifikate sind sehr komplexe Finanzprodukte, die in allen möglichen Variationen existieren und geschaffen werden können. Daher sind sie für Privatanleger oder unerfahrene Anleger eher ungeeignet. Dennoch möchten wir euch mit diesem Blogbeitrag ein Grundverständnis vermitteln, was Zertifikate überhaupt sind und euch die gängigsten Zertifikate etwas näher vorstellen. 

Viele von euch fragen sich bestimmt: Was ist ein Zertifikat überhaupt? Zertifikate gehören in die Kategorie der Derivate, was die dahinterstehende Systematik besser aufgreift. Derivat kommt vom lateinischen Wort „derivare“, was „ableiten“ bedeutet. Und genau das ist auch das System von Derivaten. Der Preis des Wertpapiers leitet sich von der Entwicklung eines zugrundeliegenden Basiswertes ab. Das können bspw. Aktien, Indizes, Währungen, Rohstoffe usw. sein. Bei Erwerb eines Zertifikats sollte immer beachtet werden, dass dieses Wertpapier rechtlich gesehen eine Schuldverschreibung bzw. Anleihe der Bank ist und somit – anders als bei anderen Wertpapieren – im Falle der Insolvenz der Bank die Möglichkeit eines Totalverlusts besteht. 

Allerdings dienen Derivate nicht nur zum Spekulieren an der Börse. Sie können auch genauso zur Absicherung von Unternehmensgeschäften dienen. Das wird auch Hedging genannt, wobei wir in diesem Artikel weniger konkret auf diesen Funktionsbereich eingehen und uns das Thema für einen Folgebeitrag aufheben werden. 

Zertifikate werden entweder über die Börse oder OTC (also „over the counter“ über eine Bank) gehandelt. Durch die jeweilige Ausgestaltung des Vertrages kann dann mit diesen Wertpapieren auf fallende oder steigende Entwicklungen, sowie auch Seitwärtsbewegungen des zugrundeliegenden Basiswerts gewettet werden.  

Nachdem wir nun die grundlegenden Dinge eines Zertifikats beleuchtet haben, wollen wir einen Blick auf die gängigsten Zertifikate werfen. 

 

Partizipations-Zertifikate 

Auch häufig als Index-Tracker oder ETCs (Exchange Traded Commodities) bezeichnet, sind Partizipations-Zertifikate darauf ausgelegt, ihren Basiswert 1:1 abzubilden. Das ist vor allem sinnvoll bei Basiswerten, bei denen eine physische Anlage nicht so leicht ist, wie bspw. Rohstoffe wie Öl oder Gold. Reverse-Produkte ermöglichen es ebenfalls auf fallende Kurse zu setzen.  

Vielleicht erinnert ihr euch hier an unseren Blog-Beitrag über ETFs, die auch zur Abbildung der Entwicklung von Indizes dienen. Der Vorteil von ETFs gegenüber Partizipations-Zertifikaten ist es, dass sie kein Emittentenrisiko aufweisen. So entfällt das Risiko eines Totalverlustes des angelegten Geldes im Falle einer Insolvenz der Bank. 

Discount-Zertifikate 

Bei diesen Wertpapieren erhält der Käufer einen Preisabschlag (Discount) gegenüber dem Kauf des Basiswerts. Über die Laufzeit hinweg bildet dann das Zertifikat die Wertentwicklung des Basiswertes ab. Allerdings ist der Maximalertrag durch den sogenannten “Cap” von vornherein begrenzt. Das heißt, wenn der Basiswert über den “Cap” steigt, ist es bedeutungslos für den Käufer, denn durch das Zertifikat ist festgelegt, wie viel Profit er im Bestfall machen könnte. Dieses Derivat wird von Anlegern gekauft, die eine Seitwärtsbewegung des Basiswertes erwarten. 

Bonus-Zertifikate 

Bei Bonus-Zertifikaten besteht immer eine sogenannte Kursschwelle. Wird das Bonuslevelalso die obere Schwelle während des Betrachtungszeitraums (meistens die Laufzeit des Zertifikats) nicht berührt oder unterschritten, dann erhält der Anleger am Fälligkeitsdatum eine Rückzahlung von 100% plus einen Bonus. Auch hier gibt es teilweise einen Maximalbetrag (Cap), das heißt der Bonus ist nach oben begrenzt. Sollte die Barriere – also die untere Kursschwelle berührt oder sogar unterschritten werden, so erhält der Anleger keinen Bonus sondern nur die Rückzahlung gemäß der Entwicklung des Basiswertes. Sollte sich der Basiswert stark negativ entwickeln, kann somit auch ein Totalverlust eingefahren werden.  

Aktienanleihen 

Aktienanleihen sind fest verzinste Wertpapiere, die von der Entwicklung von der zugrundeliegenden Aktie abhängen. Sollte die vorher festgelegte Kursschwelle im Betrachtungszeitraum nicht berührt oder unterschritten wird, erhält der Anleger die Zinszahlung sowie eine 100%ige Rückzahlung des Nominalwerts. Bei Berührung oder Unterschreitung der Barriere (Kursschwelle) gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder der Anleger erhält die zugrundeliegenden Aktien in einem bereits festgelegten Bezugsverhältnis, auch physische Andienung genannt. Oder er erhält eine Rückzahlung entsprechend der Wertentwicklung der Aktie, das wird auch als Barausgleich bezeichnet. 

Hebelprodukte 

Kommen wir nun zu Hebelprodukten. Hebelprodukte sind Zertifikate in unterschiedlicher Ausgestaltung, die die Entwicklung des zugrundeliegenden Basiswerts überproportional, also gehebelt, abbilden. Dadurch entsteht natürlich die Möglichkeit einer überproportionalen Rendite, aber genauso ein erhöhtes Risiko des Totalverlusts. 

Das wohl bekannteste Hebelprodukt sind die klassischen Optionsscheine. Sie verbriefen das Recht, einen bestimmten Basiswert in einem bestimmten Bezugsverhältnis zu einem bestimmten Bezugspreis innerhalb der Laufzeit zu kaufen oder zu verkaufen. Häufig wird der Bezug aber in der Realität durch einen Barausgleich ersetzt. Nachdem die Laufzeit des Optionsscheins abgelaufen ist, wird dieser wertlos. Der Optionsscheinpreis ist neben der grundsätzlichen Ausgestaltung von der Entwicklung und Volatilität des Basiswerts abhängig. Optionsscheine sind auch während der Laufzeit handelbar. 

Da Optionsscheine so ein spannendes und komplexes Thema darstellen, werden wir uns im nächsten Blogartikel noch näher mit diesen Wertpapieren auseinandersetzen. 

Wenn ihr ansonsten Themen habt, die euch interessieren und die wir in unserem Blog behandeln sollen, dann schreibt uns gerne. 

 

Quellen: 

ING DiBa AG: Anlegen mit Wertpapieren, https://www.ing.de/wertpapiere/wissen/wertpapierarten/, abgerufen am 2.5.2021. 

ING DiBa AG: Was sind Hebelprodukte?, https://www.ing.de/wertpapiere/hebelprodukte/, abgerufen am 2.5.2021. 

Buhs, H. (2014). Zertifikate eignen sich nur für erfahrene Anleger, https://www.finanztip.de/derivate/zertifikate/, abgerufen am 2.5.2021.

 

 

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